Auszubildende verdienen mehr!
SPD Stadt Bremen fordert: Auszubildende verdienen mehr! – Azubis besser entlohnen und Bremer Standard für gute Ausbildung setzen.
Die SPD Stadt Bremen will faire Ausbildungsvergütungen zum Qualitätsmerkmal des Ausbildungsstandorts machen. In einem aktuellen Beschluss fordert der Unterbezirksvorstand, tariforientierte Ausbildungsvergütungen bei öffentlichen Aufträgen stärker zu berücksichtigen, einen „Bremer Standard für Gute Ausbildung“ zu entwickeln und die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung regelmäßig an die Lohn- und Preisentwicklung anzupassen.
„Gute Arbeit beginnt schon in der Ausbildung“, betont die Unterbezirksvorsitzende Gesa Wessolowski-Müller. „Auf unseren Erfolgen ruhen wir uns nicht aus. Unser Anspruch ist, dass in einem nächsten Schritt Auszubildende fairer entlohnt werden. Wer eine Ausbildung beginnt, übernimmt Verantwortung, arbeitet im Be-trieb mit und erlernt einen Beruf. Das muss sich auch in einer angemessenen Vergütung widerspiegeln. Gerade angesichts steigender Lebenshaltungskosten darf die Entscheidung für eine Ausbildung nicht an finanziellen Hürden scheitern.
Der Landesmindestlohn sorgt dafür, dass insbesondere Geringverdienende in Bremen mehr Geld in der Tasche haben. Tarifverträge und Tariftreue stellen sicher, dass gute Arbeit darüber hinausgeht. Diesen Hebel wollen wir konsequent nutzen damit Auszubildende davon profitieren. Wir wollen faire Ausbildungsvergütungen zu einem Qualitätsmerkmal des Ausbildungsstandortes Bremen machen. Denn gute Arbeit beginnt schon in der Ausbildung. Wer öffentliche Mittel bekommt, der soll jungen Menschen auch gute Ausbildungsbedingungen, faire Bezahlung und eine echte berufliche Perspektive bieten.“
Beschluss des Unterbezirksvorstand der SPD Stadt Bremen vom 29.08.2026
Junge Menschen haben ein Recht auf eine gute Ausbildung, von der sie leben und mit der sie ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten können. Dafür braucht es ausreichend Ausbildungsplätze und gute Rahmenbedingungen, damit der Einstieg ins Berufsleben gelingt. Denn für uns ist klar: Gute Arbeit beginnt mit guter Ausbildung. Und das Interesse an einem Ausbildungsplatz steigt.
Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell. Gleichzeitig steht sie vor erheblichen Veränderungen. Digitalisierung und KI verändern Berufsbilder, die sozial-ökologische Transformation schafft neue Qualifikationsanforderungen, und viele Betriebe suchen dringend Nachwuchs. Gleichzeitig finden nicht alle jungen Menschen einen passenden Ausbildungsplatz oder brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab.
Der Unterbezirk Stadt Bremen begrüßt vor diesem Hintergrund ausdrücklich die Maßnahmen, die der Senat in den letzten Jahren ergriffen hat, um den Ausbildungsstandort Bremen zu stärken.
Besonders hervorzuheben ist dabei der Ausbildungsunterstützungsfonds. Mit diesem wurden Voraussetzungen geschaffen, um zusätzliche Ausbildungsplätze zu ermöglichen, und mehr Betriebe dabei zu unterstützen, selbst auszubilden. Dabei geht es nicht allein um die Zahl der Ausbildungsplätze. Sondern auch darum, dass Betriebe und Auszubildende die Unterstützung erhalten, die sie für eine erfolgreiche Ausbildung brauchen. Deshalb hat der Senat ein Maßnahmenpaket von vier Millionen Euro auf den Weg gebracht, mit dem unter anderem Berufsorientierung, Sprachförderung und Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung gestärkt werden.
Mit der Ausbildungsgarantie, ergänzt durch zwei Ausbildungsverbünde in Bremen und Bremerhaven, werden zusätzliche Möglichkeiten für junge Menschen geschaffen, und Betriebe unterstützt, die nicht alle Ausbildungsinhalte selbst abdecken können. Nicht zuletzt berät die Jugendberufsagentur junge Menschen unter 25 Jahren, die keinen Berufsabschlusshaben.
Zu guten Ausbildungsbedingungen gehört für uns aber auch, bezahlbares Wohnen sicherzustellen. Mit den Azubi-Wohnheimen im Ellener Hof in Osterholz und im Q45 wurden bereits zusätzliche bezahlbare Wohnangebote für Auszubildende geschaffen. Mit den Infrastrukturmitteln des Bundes wollen wir ein weiteres Azubi-Wohnheim in Bremen-Mitte realisieren.
Ein wichtiger Hebel für gute Arbeit und faire Entlohnung sind Tariflöhne. Doch die Tarifbindung steht unter Druck. Bremen weist mit 56 Prozent bundesweit die höchste Tarifbindung auf. Diese stagniert jedoch. Daher liegt ein politischer Schwerpunkt der SPD Stadt Bremen darauf, alles dafür zu tun, die Tarifbindung in Bremen und im Bund weiter zu erhöhen.
Ein weiterer wesentlicher Hebel, um faire Entlohnung zu fördern, ist das Tariftreuegesetz. Bremen war hier bundesweiter Vorreiter. Mit der Verknüpfung öffentlicher Aufträge an den Bremer Mindestlohn und Arbeitsbedingungen kann die öffentliche Hand ihre erhebliche Marktmacht gezielt für Gute Arbeit einsetzen.
Dass Lohnuntergrenzen und Tarifsteigerungen gerade den Beschäftigten mit niedrigen Einkommen zugutekommen, zeigt die Lohnentwicklung der vergangenen Jahre: Von 2022 auf 2023 stieg der Bruttostundenverdienst der Geringverdienenden in Bremen um 13,6 Prozent. Auch 2024 profitierten insbesondere die unteren Einkommen: Der Bruttostundenverdienst des untersten Fünftels der Beschäftigten stieg gegenüber 2023 um 7,7 Prozent – und damit deutlich stärker als beim obersten Fünftel, das einen Zuwachs von 4,8 Prozent verzeichnete.
Das Bremische Tariftreue- und Vergabegesetz berücksichtigt bereits heute die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen, die Beteiligung an Ausbildungsverbünden und an tariflichen Umlageverfahren zur Sicherung der beruflichen Erstausbildung.
Wir wollen diesen Ansatz weiterentwickeln. Der Senat wird daher aufgefordert zu prüfen, wie die Entlohnung von Auszubildenden bei der öffentlichen Auftragsvergabe stärker berücksichtigt werden kann.
Wir fordern den Senat auf,
- zu prüfen, wie im unmittelbaren und mittelbaren Einflussbereich des Landes Bremen im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe eine tarifliche bzw. tariforientierte Ausbildungsvergütung als Standard gestärkt, und z. B. durch einen Bremer Referenzwert für eine Mindestausbildungsvergütung ergänzt werden kann;
- einen „Bremer Standard für Gute Ausbildung“ zu entwickeln. Dieser soll neben einer fairen Ausbildungsvergütung insbesondere moderne Schulstandorte und und verlässlichen Schulunterricht, Beratungsangebote für mentale Gesundheit sowie Demokratieförderung berücksichtigen;
- sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung regelmäßig so weiterzuentwickeln, dass sie mit der allgemeinen Lohn- und Preisentwicklung Schritt hält und jungen Menschen eine eigenständige Perspektive ermöglicht.